Badewelten Teil 1 – Am Anfang war der Zuber

Badewelten Teil 2 – Baden in der Leine

Badewelten Teil 3 – Freibad, Hallenbad und Baden heute

1936 wurden Nägel mit Köpfen gemacht: In der Leinezeitung vom 16.7.1936 wird aus der Gemeinderatssitzung zitiert, in der jedoch der totalitären Zeit entsprechend lediglich „Bekanntmachungen“ ausgegeben wurden. Da heißt es kurz und bündig

Bürgermeister Hellwig gab dann bekannt, daß nun auch in Neustadt eine brauchbare Badeanstalt gebaut werden soll und zwar auf dem Gelände hinter der Bürgerhalle. Man wird nach der Ernte im Monat September mit den Arbeiten beginnen, sodaß wir Neustädter im nächsten Sommer eine schöne Badeanstalt haben werden mit sportlicher Schwimmbahn, Becken für Nichtschwimmer und Planschbecken für die ganz Kleinen und den erforderlichen Platz für den Aufenthalt außerhalb des Wassers.

Nördlich der Bürgerhalle an der Suttorfer Strasse entstand auf einem städtischen Grundstück in aller Kürze ein Freibad „in einfacher, sauberer und zeitgemäßer Weise ausgestattet und vorbildlich eingerichtet, sodass dadurch eine wirklich vorbildliche Stätte der Volksgesundung geschaffen werden soll“ . Der Entwurf wurde erst im September 1936 durch den Hildesheimer Architekten für Bäderbau O. Immendorff erstellt. Das Bad wurde bereits 1937 eröffnet.

Es erhielt ein sportgerechtes, Wettkampf geeignetes Wasserbecken von 50m Länge und 18m Breite für Schwimmer, ein Becken für Nichtschwimmer 40 x 8m groß sowie ein großes, dem Nichtschwimmer vorgebautes halbrundes Planschbecken. Die Krönung war ein mittig an der Südseite des Schwimmerbeckens angeordneter 3 m- Sprungturm. Er wurde beidseitig von 1 m- Sprungbrettern flankiert, die Wassertiefe unter den Sprunggelegenheiten betrug 3m. Damit war den damals neuesten Anforderungen für das Kunstspringen Genüge getan.

Moderne Umkleideanlagen und Spiel-u nd Liegewiesen sorgten für einen regen Zuspruch. Die Wasserversorgung erfolgte aus der städtischen Wasserleitung. So stand völlig einwandfreies Wasser, dessen Qualität durch Chlorzugaben gesichert wurde, in ausreichenden Menge zur Verfügung.

Das Freibad blieb in der Sommersaison durchgehend geöffnet, für 150 Mark monatlich wurde ein Bademeister beschäftigt, dazu eine „Garderobenfrau“ sowie eine Reinigungskraft. In den Wintermonaten wurde der Bademeister bei den Stadtwerken beschäftigt.

Das Bad genoss sofort große Beliebtheit, allerdings mussten dann durch den Krieg bedingte Einschränkungen hingenommen werden. So beschwerte sich 1942 der damalige Bürgermeister über einen Badeunfall seines 7-jährigen Sohnes Wolfgang, den er auf den fehlenden Bademeister zurückführt. Dieser waren zu Kriegsdiensten eingezogen worden. Die Stadt bemühte sich all die Jahre ernsthaft um die Freistellung des Bademeisters Enskat, der sich als Fachkundiger großer Beliebtheit bei der Jugend und auch der Verwaltung erfreute. Bemühungen um die Freigabe von Otto Knospe, den wir noch von der „Flussbadeanstalt“ her kennen, hatten 1942 ebenfalls keinen Erfolg. Darum bewarb sich 1943 Frau Luise Schneidewind als Bademeister mit der Maßgabe, die Stelle sofort freizugeben, wenn der frühere Bademeister Fritz Enskat von der Wehrmacht zurückkäme. 1944 bewarb sich ebenfalls Frau Marianne Poprawa als Schwimmmeisterin.

Das Fehlen einer starken Aufsicht führte wohl zu einigen Undiszipliniertheiten, wie dem oben erwähnte Badeunfall des 7 -jährigen Knaben (er wohl absichtlich ins Wasser gestoßen, konnte aber nicht schwimmen) oder auch offenen Feuern auf der Liegewiese. Das bezeugt auch die Anzeige der Frau Schneidewind gegen einen Neustädter Friseur, der seinen Hund mit ins Wasser genommen hatte und der sich mit der schriftlich überlieferten Äußerung „Der Hund ist sauberer als jede „deutsche Frau“ rechtfertigte.

Das Bad konnte nach dem Krieg unversehrt weiter benutzt werden. Der zurückgekehrte Herr Enskat genoss als umsichtiger Bademeister wieder die Achtung der Neustädter Einwohner, besonders der Kinder. Er wohnte zeitweise in einem Nebenraum der Umkleideanlage und war somit von morgens in aller Herrgottsfrühe bis in die späten Abendstunden präsent. Er kannte alle seine Besucher und hat so manches Schwimmtalent entdeckt und gefördert. Mindestens ein Sohn von Herrn Enskat hat es als Turmspringer zu nationalen Ehren gebracht.

Sprungturm im alten Freibad

Sprungturm im alten Freibad

Die Bedeutung des Bades all die Jahre über auch als Wettkampfstätte bezeugt Klages, der in seiner Chronik begeistert vom 1947 stattgefundenen Schwimmwettkampf des Turn- und Sportvereins berichtet, dem an die 2.000 Zuschauer beiwohnten. Überhaupt war das Freibad im Sommer und in den Ferien eine wichtige Anlaufstelle der Bevölkerung, besonders der Jugend. In dieser Zeit gab es eine aktive Wasserballgruppe, auch eine starke Schwimmergruppe des TSV Neustadt. Es fanden sehr viele Schwimmveranstaltungen statt. Für die vielen Zuschauer wurde westlich des großen Beckens parallel zur Suttorfer Strasse nachträglich eine große, mehrstufige Holztribüne aufgestellt, die besonders bei wichtigen Wasserball-Wettkämpfen gern angenommen wurde.

Abgesehen davon: wen die Liegewiese nicht lockte, konnte sich auch auf den trockenen Brettern der Tribüne gut aufhalten und sonnen.

Bäder heute

Auch dieses allseits beliebte Bad fand in den 70 er Jahren d.v. Jh. ein Ende. Ob technische Gründe eine Rolle spielten, hohe Reparatur- und Renovierungskosten oder einfach der Wunsch nach etwas Neuem lässt sich nicht nachvollziehen und soll nicht weiter ergründet werden. Es entstand eine ganz moderne Badelandschaft unter anderem mit einer großen Rutsche. Nicht mehr das sportliche Schwimmen stand im Vordergrund, sondern das „Spassbaden“. Die Anlage wird auch nicht mehr von der Stadt betrieben, die Verantwortung liegt heute beim Freibadverein , der, wie man sich vorstellen kann, mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Der Verein hält das Bad in vorbildlicher Ordnung, ein Besuch lohnt sich allemal.

Eröffnung des Neustädter Freibades

Eröffnung des Neustädter Freibades

Plan des Freibads

Plan des Freibads

Daneben hat sich die Stadt 1972 das nach den Plänen des Landkreis-Baurats Einsel entstandene Hallenbad geleistet. Es verfügt über ein Schwimmerbecken, einen Sprungturm mit Tauchbecken, ein Lehrschwimmbecken, auch über einen kostenlose Fitnessraum. Das Bad bietet regelmässig Schwimmkurse für Gross und Klein sowie Aqua – Fitness, Wassergymnastik, Kinder- und Babyschwimmen im 30 Grad warmen Wasser. Es steht Schulen und Vereinen zur Verfügung. , die moderne Wassersprunganlage sorgte zeitig für eine starke „Springergruppe“ und war Grund für viele Wettkämpfe. Das Bad ist ganzjährig geöffnet, die Berufstätigen nehmen die Öffnungszeiten am Mittwoch und Donnerstag bis 22 Uhr gerne wahr. Einmal im Jahr findet als Höhepunkt die „Nacht der Bäder“ mit zahlreichen Attraktionen statt.

Hallenbad in der Lindenstrasse, Neustadt am Rübenberge

Hallenbad in der Lindenstrasse, Neustadt am Rübenberge – klassische 70er Jahre Bau

Hallenbad mit Sprungturm und 25 Meter Bahn

Hallenbad mit Sprungturm und 25 Meter Bahn

Seit über 120 Jahren ist die Geschichte der Neustädter Bäder dokumentiert. Oft hatten Badelustige und Verwaltung mit Widrigkeiten zu kämpfen. Die tauchen zwar immer wieder auf, aber jetzt haben wir doch ein vielfältiges Bade- Angebot. Infos über Öffnungszeiten des Hallenbades oder des Freibades oder Informationen zu Schwimmkursen, Nichtschwimmerkurse, Terminen Turmspringen oder Leistungsschwimmen finden Sie auf den Seiten der Stadt Neustadt sowie der Vereine. Das Angebot ist vielfältig.

Nutzen Sie es !!

Karte Hallenbad

[HD, Juni 2008]


 

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