Vom Zweiten Weltkrieg sind in Neustadt nur wenige Spuren sichtbar. Keine großen Betonbunker verunzieren wie in mancher Großstadt noch heute sichtbar das Stadtbild. Gleich zu Beginn des Krieges hatte der zuständige Minister für die Luftverteidigung, Hermann Göring, versprochen, dass nie ein feindliches Flugzeug über deutschen Boden gelangen würde. Die Geschichte hat anderes gelehrt. Auf deutsche Industrieanlagen, große und mittelgroße Städte fielen fürchterliche Bombenhagel. Auf zivile Bereiche nahm man keine Rücksicht. Dagegen schützte man sich vordringlich mit dem Bau von Bunkern.

Die strategische Situation von Neustadt schätzte man hier richtiger Weise als bedeutungslos ein, dennoch besann man sich auch hier spätestens ab Ende 1943 darauf, dass man sich gegen Angriffe aus der Luft oder vom Boden schützen sollte. Damit begann auch hier vermehrt der Bau von Bunkern. Hinter dem Begriff „Bunker“ verbergen sich z. B. Splitterschutzgraben, Deckungsgräben, Luftschutzstollen

1943 gab der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe die „Bestimmungen für den Bau von LS.- Deckungsgräben“ heraus. Darin wurde unteranderem bestimmt:

  • LS- Deckungsgräben sind langgestreckte, schmale überdeckte Gräben in gebrochener Linienführung
  • LS- Deckungsgräben sind außerhalb des Trümmerbereichs von Gebäuden anzulegen. Als Trümmerbereich ist eine Fläche längs der Gebäude mit einer Tiefe von etwa 2/3 der Traufhöhe anzunehmen.

 

„Bestimmungen für den Bau von LS.- Deckungsgräben“ des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe von 1943.

„Bestimmungen für den Bau von LS.- Deckungsgräben“ des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe von 1943.

 

Richtzeichnungen eines Luftschutz- Deckungsgraben-Bunkers

Richtzeichnungen eines Luftschutz- Deckungsgraben-Bunkers

 

 

Querschnitt durch einen Bunker: Luftschutz-Deckungsgraben

Querschnitt durch einen Bunker: Luftschutz-Deckungsgraben

Die in Neustadt angelegten Bunker, die meisten sind genau genommen „Splitterschutzgräben“, sind im Großen und Ganzen nach diesen Vorgaben gebaut worden. Folgende Anlagen sind noch bekannt:

Bunker am Bahnhof

Der möglicher Weise markanteste Bunker stand direkt vor dem Neustädter Bahnhof.

Das Foto zeigt noch den Erdhügel, der den Bau überdeckte. Wer den Bunker wann errichten ließ, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Die „historischen „ Kraftfahrzeuge“ auf der Postkarte lassen auf eine sehr frühe Herstellung schließen. Denkbar ist, dass er schon früh zu Kriegsbeginn von der Reichsbahn und für die Reisenden der Reichsbahn gebaut war für den Fall, dass der Bahnhof bombardiert wurde. Zeitzeugen berichten, dass er bis zu 100 Personen Platz geboten habe, er sei mittels Drucktüren zu schließen gewesen (LZ 9.1.2014). Nach dem Krieg wurde er vom Bahnhofswirt nach Aussage seiner Tochter als Lagerraum benutzt. Wann er abgerissen worden ist, ist auch nicht mehr bekannt.

Bahnhofsvorplatz mit Bunkerhügel und Luftschutzbunker in Neustadt am Rübenberge (Postkarte)

Bahnhofsvorplatz mit Bunkerhügel und Luftschutzbunker in Neustadt am Rübenberge (Postkarte)

 

Bunker im Erichsberg

In die Böschung des Erichsbergs, gegenüber dem damaligen Rathaus, ist ein Bunker errichtet worden, der als „Befehlsstand“ fungierte. Es war ein schlichter Raum, die Wände aus Holzbohlen, die technische Ausrüstung mag aus einem Telefon bestanden haben. Hier trafen sich vermutlich vornehmlich die Nazigrößen aus dem nahegelegenen neuen Rathaus. Zum Kasemattengang bestand ein Durchbruch, der Gang selber war wohl nicht zu Luftschutzzwecken gedacht. In den Planungen der Neugestaltung des Erichsberg- Geländes ist die Lage des Bunkers bereits 1986 /87 mit erfasst worden.

 

Der Luftschutz- Bunker am Erichsberg: Ausschnitt aus der Kartierung des Erichsberg anlässlich seiner Neugestaltung (aus „Der Erichsberg“ 1990, Hrg. Stadt Neustadt)

Der Luftschutz- Bunker am Erichsberg: Ausschnitt aus der Kartierung des Erichsberg anlässlich seiner Neugestaltung (aus „Der Erichsberg“ 1990, Hrg. Stadt Neustadt)

In der Ratssitzung vom 5.8.1954 wurde beschlossen

12. Bunkereingang am Erichsberg.

Es wurde einstimmig beschlossen, den gemauerten Bunkereingang am Erichsberg zu beseitigen und durch Bepflanzung zu ersetzen.

Der Krankenhausbunker

Im Krankenhaus begnügte man sich vorerst damit, die Decken von Kellerräumen mit Holzstützen abzusichern. Ende 1943 begann die Planung für einen „LS- Deckungsgraben zu den Baracken beim Krankenhaus Neustadt a. Rbge“. Der Plan fußte in etwa auf den Vorgaben der oben erwähnten Richtlinien. Er hatte einen Zugang und eine Notausstieg. Er war für 27 Personen ausgelegt, konnte belüftet werden, erhielt einen Ofen und am Ende der Anlagen lagen 2 abgeschlossene Toiletten. Untypisch war, dass der Bunker nur 50 cm tief in die Erde gegründet war, andernorts wurde die halbe Bauwerkstiefe in den Untergrund eingelassen. Die Wände bestanden aus i.M. 45 cm Beton, die Kappe war 25 cm dick. Die Überdeckung mit Erde war mit 50cm Erde vorgesehen. Mit der Antragszeichnung wurde auch der Materialbedarf errechnet: Zement und Kies für ca. 53,4 cbm Beton, eine Eisenarmierung war wohl nicht vorgesehen.

Detailzeichnungen für den Weltkrieg- Bunker am Krankenhaus in Neustadt am Rübenberge

Detailzeichnungen für den Weltkrieg- Bunker am Krankenhaus in Neustadt am Rübenberge

Die Planung stammte vom Poggenhagener Architekten Heppes, dessen Name auch auf anderen Antragsunterlagen erscheint. Heppes war früher ein bekannter Architekt, von dem z. B. der Bau des Wochenendhauses für den Landrat von Woyna am Stahlhopsberg stammt. Mit Ausnahmebewilligung durch den „Reichsbevollmächtigten des Reichsministers Speer“ wurde das Werk von der Firma Rahlfs erstellt. Den Bunker gibt es heute noch, er soll sogar unter Denkmalsschutz stehen.

Bunker unter dem Amtsgarten

Die Kinder, die seinerzeit nach dem Krieg am Amtsgarten spielten, können sich noch an ihn erinnern: der Bunkereingang lag im Nord- Westteil des Gartens etwa im Bereich der kleinen Aufgangstreppe vom Parkplatz des Amtsgerichtes zum Parkgelände. Kurz vor und unterhalb des Heckenganges befand sich ein Notausgang, der in sumpfiges Schilfgelände der heutigen gepflegten Leutnantswiese endete.

Die Idee für den Bunker im Amtsgarten hatte das Bürgermeisteramt Ende 1943. Nach den Plänen des Architekten Heppes wurde ein Antrag auf einen 100 m langen Stollen gestellt. Er war vornehmlich für die „luftschutzmäßige Unterbringung von 100 Schülern der Mittelschule“ gedacht. Dem Antrag vom 6. Dezember 1943 gab der Landrat mit Bescheid vom 23. Dezember 1943 statt.

 

Antrag auf Unterbringung von Schülern im Luftschutzkeller unter dem Amtsgarten in Neustadt am Rübenberge.

Antrag auf Unterbringung von Schülern im Luftschutzkeller unter dem Amtsgarten in Neustadt am Rübenberge.

 

Dokument über die Anlage eines Luftschutzstollens unter dem Amtsgarten in Neustadt

Dokument über die Anlage eines Luftschutzstollens unter dem Amtsgarten in Neustadt

 

Leider sind Pläne und weitere Angaben nicht in Erfahrung zu bringen. In den 50er /60iger Jahren wurde die Vormauerwand des Amtsgartens aus Bruchgestein vor genau jenem Abschnitt des Bunkerbereichs aufgerichtet, Öffnungen sind nicht mehr erkennbar. Lt. Hannoverscher Presse vom 24./25.11.1956 ist der Stollen zugeschüttet worden (NRÜ III 172). Zeitzeugen sind der Ansicht, dass der Bunker vielleicht nur in Teilen und etwa 15 m vor dem Laubengang eingestürzt ist. Es wird vermutet, dass noch immer Teile der Anlage als Hohlräume zu orten sein müssten.

Bunker im „Alten Wall“

Auch von dieser Anlage ist heute nicht die geringste Spur erhalten. Die heutigen „Alten“, die sich vielleicht noch an die Kindheit vor und nach Kriegsende erinnern könnten, haben kein Bild mehr vor Augen. Es geht hier um den  den Luftschutz-Stollen im Alten Wall, unter Garten Overheu. Der Garten gehörte zum Grundstück Overheu am Entenfang, auf dem heute das Sparkassengebäude steht.

Bunker im Alten Wall: Ausnahme des Bauverbotes
Bunker im Alten Wall: Ausnahme des Bauverbotes

 

Antrag auf Ausnahme des Bauverbots: Bau der Bunkeranlage im Alten Wall in Neustadt.

Teil 1 des Antrags auf Ausnahme des Bauverbots: Bau der Bunkeranlage im Alten Wall in Neustadt.

Teil 2 des Antrags zum Bau des Bombenschutz Bunkers in Neustadt am Rübenberge

Teil 2 des Antrags zum Bau des Bombenschutz Bunkers in Neustadt am Rübenberge

 

Wie auch der „Rosenstein‘sche Garten“ an der Markstraße waren die Gärten Teil der historische Wallanlage der Stadtbefestigung von Herzog Erich II. Er lag hinter dem heutigen Betrieb der Schlachterei Plinke. Der Wall ist inzwischen abgetragen, jetzt befindet sich hier der Parkplatz der Sparkasse.

Lageplan des Luftschutzbunkers unter dem Alten Wall in Neustadt am Rübenberge

Detailzeichnung der Zugänge und Fluchtwege des Luftschutzbunkers unter dem Alten Wall in Neustadt am Rübenberge

Detailzeichnung der Zugänge und Fluchtwege des Luftschutzbunkers unter dem Alten Wall in Neustadt am Rübenberge

 

Detailzeichnung der Stollen- Aussteifung des Bunkers unter dem Alten Wall

Detailzeichnung der Stollen- Aussteifung des Bunkers unter dem Alten Wall

 

Die Bunkeranlage war vom Gartengrundstück der Schlachterei Plinke aus erreichbar und hatte zwei weitere Ausgänge zu dem Fußweg, der zwischen der Marktstraße und der Herzog- Erich– Allee zwischen den Parkplätzen verläuft. Einer der Ausgänge, als Notausgang gedacht, bestand nur aus Zementrohren mit einem Durchmesser von 80 cm, war also nur kriechend zu benutzen. Die Anlage war für 112 Sitze gedacht. Der Tunnel wurde wohl vortriebsmäßig in den Wall gegraben und mit Hölzern ausgesteift. Eine offene Bauweise kam wegen der Überdeckung des Walls von fast 4,50 m nicht in Frage. Der Antragsbogen zeigt, dass die Beschaffung und Nachweis der benötigten Baumaterialien strengen Regeln unterlag, das galt für alle Baumaßnahmen jener Zeit!. Auch der Einsatz der Arbeitskräfte wurde angegeben, nämlich „Hilfskräfte und Sonstige- Gefangene“. Bei allen Tunnelarbeiten, die nur mit einer gewissen Gefährdung ausgeführt werden konnten, ob Erichsberg,

Amtsgarten oder auch hier, werden bewusst Kriegsgefangene eingesetzt worden sein.

Die Gänge waren 1,70 m breit, seitlich an den Holzwänden und zwischen den Aussteifungen waren schmale Sitzgelegenheiten angebracht, der Zwischenraum betrug 82 cm, alles in Allem sehr beengt. Mehrere Lüftungsschächte sorgten für eine Luftzufuhr. Außerdem gab es auch hier 2 abgeschlossene Aborte. Ein Teil des Gangsystems ist als „Befehlsstand“ ausgewiesen.

Auch diese Pläne stammen vom Poggenhagener Architekten Heppes. Sie wurden im April 1944 erstellt. Wenn man bedenkt, dass der Krieg schon 3 1/2 Jahre tobte, wurde doch recht spät an den Schutz der Neustädter Bevölkerung gedacht. Ob dieser und alle anderen Bunker jemals ernsthaft benutzt wurden, ist nicht mehr zu ermitteln.

Bunker Arndtstraße

Am 7. April 1945 wurde über den Architekten Heppes ein Antrag zur Errichtung eines Einzelbehelfsheims auf dem Grundstück Biermann an der Arndstraße gestellt. Die beigefügte Lageplanskizze zeigt die Lage eines nahegelegenen Erdbunkers.

 

 

Lageplanskizze des Erdbunkers an der Arndtstraße

Lageplanskizze des Erdbunkers an der Arndtstraße

Der Schriftverkehr zu diesem Bunker verdeutlicht die schwierige auch andernorts bestehende juristische Auseinandersetzung zu den Zuständigkeiten für den Bau, die Erhaltung und Beseitigung von Bunkeranlagen. Hier hat der zuständige Ersteller des Bunkers, (die Stadt Neustadt?) mit dem Grundstückseigentümer einen Pachtvertrag abgeschlossen, der die Erben berechtigte, Pachtgelder abzufordern. Die Pachtforderungen zogen sich einige Jahre hin, bis 1953 jemand Interesse an dem Bunker zeigte und einen Pachtvertrag mit der Stadt Neustadt abschloss.

 

 

Schriftstück zur Pacht des Luftschutzdeckungsgrabens - nach dem Krieg 1949

Schriftstück zur Pacht des Luftschutzdeckungsgrabens – nach dem Krieg 1949

 

Dokument über die Miete des Bunkers 1949

Dokument über die Miete des Bunkers 1949

Das Grundstück wechselte später den Besitzer. Im Bunker wurden zeitweise Pilze gezüchtet. Ein Teil des Bunkers wurde in die Planung des neuerbauten Hauses einbezogen. Der außerhalb des Hausgrundrisses gelegene Ausgang wurde zugemauert und liegt heute noch frei. Der Innenteil dient vornehmlich als Lager.

Luftschutz im zweiten Weltkrieg: Vom Wohnhaus überbaute Bunker / Luftschutzanlage

Luftschutz im zweiten Weltkrieg: Vom Wohnhaus überbaute Bunker / Luftschutzanlage

 

Schutz vor Fliegerbomben: Bunkerausgang Gartenseite (Foto Dyck 2014)

Schutz vor Fliegerbomben: Bunkerausgang Gartenseite (Foto Dyck 2014)

 

Bunkerausgang im Hauskeller (Foto Dyck 2014)

Bunkerausgang im Hauskeller (Foto Dyck 2014)

 

Bunker an der Kirche

Auch südlich der Kirche, nördlich des Storchenhauses entstand ein Bunker. Es ist nicht anzunehmen, dass der Kirchenvorstand das benötigte Gelände gern zur Verfügung stellte, Der Bescheid des örtlichen Luftschutzleiters, der zugleich Bürgermeister war, lässt vom Ton her eher auf einen enteignungsähnlichen Vorgang schliessen.

Beschlagnahmebescheid des Kirchengrunds zum Bau eines Luftschutzbunkers neben der Liebfrauenkirche in Neustadt

Beschlagnahmebescheid des Kirchengrunds zum Bau eines Luftschutzbunkers neben der Liebfrauenkirche in Neustadt

 

Noch 1956 versuchte die Kirche, eine Anerkennungsgebühr über 3 DM zu erreichen, dieses wurde aber abgelehnt. Der Luftschutzgraben verschwand erst mit dem Bau der Herzog Erich Allee. Der Kirche wurde geraten, die Kosten für die Abgabe von Kirchenland zugunsten der neuen Straße mit den Abbruchkosten für den Bunker zu verrechnen. Das zeigt, dass sich niemand mehr für die Bunker, schon gar nicht für ihre Beseitigung, verantwortlich fühlte.

Weitere Bunker

Wie die Hannoversche Presse 1956 feststellte, standen die meisten Bunker „arg im Wege“. Gemeint waren die Anlagen in der Saarstraße, auf dem Bahnhofsplatz, an der Arndtstraße, der Stockhausenschule, hinter dem neuen Rathaus und dem Gelände der Kreiskrankenhauses.

Der Bunkerhügel an der Stockhausenschule war ein beliebter Spielplatz der Schulkinder.

Ein Luftschutzstollen an der Saarstraße musste schon seit 1941 geduldet werden, erst 1962 wurde ein Abbruchantrag gestellt.

Noch am 1.3.1955 fasste der Neustädter Ortsrat den Beschluss, den Bunker an der Landwehr, Eingang Schulze Delitzsch- Straße sprengen zu lassen. Er war, entsprechend den seinerzeitigen Bauvorschriften zur Hälfte in der Erde, zur Hälfte oberirdisch angelegt worden. Man ging für die Beseitigung von immerhin 106 Sprenglöchern mit 25 cm Tiefe aus.

Das „Neustädter Kreisblatt berichtet am 1.7.1955:

Der Bunker im Gelände an der Landwehr, wo als Parallelstraße zum „Kleinen Tösel“ die neue Schulze- Delitzsch- Schule (sic! ,?gemeint Straße?) angelegt werden soll, wird stehenbleiben. Die Straße wird an dem Bunker vorbeigeführt. Der Bauverein wird in Kürze mit der Durchführung seines von uns schon angekündigten Neuprogramms beginnen.

Auch dieses Bauwerk gibt es heute noch.

Der Bunker auf dem Grundstück an der Mecklenhorster Strasse, Ecke Klagesweg musste spät zivilen Zwecken weichen, heute befindet sich hier eine Ausstellungshalle für PKW. Hier soll sich zudem eine Flakstation (Fliegerabwehr) befunden haben.

Bild 24

 

Bunkerausgang vor dem Abbruch

Bunkerausgang vor dem Abbruch (Foto:Rehbock)

 

Freigelegte Bunkeranlage vor der endgültigen Beseitigung (Foto Rehbock)

Freigelegte Bunkeranlage vor der endgültigen Beseitigung (Foto Rehbock)

 

Bunker an der Wunstorfer Straße (Hachland)

Bereits 1942 wurde gegen den Widerstand des Eigentümers an der Wegegabel Neustadt- Liethe ein Luftschutzbunker errichtet. Es kann vermutet werden, dass dieser Ort aufgrund der Nähe zur Eisenbahn gewähl wurde. Errichtet wurde er weisungsgemäß von der Stadtverwaltung. Der Eigentümer erhielt für die Inanspruchnahme von ½ Morgen Land je eine Entschädigung von 75 RM für die Jahre 1943 und 1944, danach nicht mehr. 1947 wurde der Bunker durch ein britisches Pionierkommando, wiederum gegen den Willen des Grundstückseigentümers, teilweise gesprengt. Es wurde dabei zwar die Decke zerstört, Seitenwände und Grundfläche blieben bestehen. Zurück blieb ein unerfreulicher Anblick. Der Kläger fordert 1952 Schadenersatz für die Beseitigung der Trümmer und die Möglichkeit, sein Land wieder ordnungsgemäß in Bewirtschaftung zu nehmen.

Verbreitet waren auch die runden, mit einer runden Kuppel aus Beton gegossenen „Einmannbunker“. Die meisten sind jedoch verschwunden.

Splitterschutzbunker in Neustadt

Splitterschutzbunker in Neustadt

Über die Beseitigung von Bunkern

Mit der Frage, wer für die Beseitigung der Bunker aus dem zweiten Weltkrieg in Neustadt verantwortlich ist, wird ein grundsätzlicher Streit sichtbar. Die Stadt verweigert die Forderungen des Klägers und verweist an den Oberfinanzpräsidenten, der möglicher Weise als Vertreter der Bundesrepublik fungierte. Es ist unbekannt, wie der Streit 1952 in diesem Falle ausgegangen ist. Noch 1959 werden Gerichte mit der Frage der Zuständigkeiten für die Anlage und Beseitigung der Bunker beschäftigt. Einerseits wurde die Auffassung vertreten, das Reich habe lediglich die Mittel zur Verfügung gestellt, der Rest sei Sache der Gemeinden gewesen. Andererseits fanden Beschlagnahmungen von Grundstücksflächen auf Grund eines „Reichsleistungsgesetzes“ statt und mussten spätestens seit 1941 geduldet werden. Mehrere Gerichte haben aber festgestellt, dass die Gemeinden nicht zur Beseitigung von ehemaligen Luftschutzanlagen verpflichtet sind, der Luftschutz war Aufgabe des Reiches. Die Gemeinden wären nur als ausführendes Organ des Reiches tätig gewesen. Auch der Niedersächsische Städtebund schloss sich der Auffassung an, dass der Rechtsnachfolger des Reiches, also die Bundesrepublik zuständig sei.

Sonstige Bunkeranlagen

Im Schloss führte die Baufirma Sievers bereits 1939 Luftschutzmaßnahmen durch. In vielen privaten Häusern wurden Kellerräume mit einfachen Mitteln als Schutzraum hergerichtet. In der historischen Innenstadt handelte es sich meistens um recht standfeste Gewölbekeller. Mittels Holz- oder Eisenstützen wurden die Decken gesichert, Kellerfenster mit normierten Betonsteinen geschützt, zusätzliche Ausgänge angelegt. Sie durften nur den jeweiligen Hausbewohnern zur Verfügung stehen, diese Anordnung wurde von autorisierten Personen auch überwacht. Ob es an den Straßenfronten oder den Eingangsbereichen Hinweise auf den Schutzraum gab, ist nicht mehr erinnerlich.

Vergessen ist auch, dass es in der Leinstraße eine „Luftschutzschule“ gab, um den Erwerb dieses Hausgrundstückes bemühte sich die Stadt bis 1960. Fa. Ed. Kollmeyer bot sogenannte Luftschutzanzüge an, für „Gefolgschaftsmitglieder“, also Angestellte und Arbeiter, wurden Lehrgänge abgehalten

Es gibt sie also immer noch, die Relikte des 2. Weltkrieges. Zu Beginn der drohenden Atomkriege in den 50er, 60er Jahren des 20. Jahrhunderts flammte kurzfristig wiederum der Ruf nach nunmehr atomsicheren Schutzräumen auf. Auch in Neustadt noch wurden mit staatlicher Unterstützung solche Anlagen gebaut. Heute, fast 70 Jahre nach Kriegsende müssen wir uns gegen eine Bedrohung aus der Luft nicht mehr schützen.

(HD Mai 2014)

Verwendete Quellen:

  • Regionsarchiv In Neustadt a. Rbge NRÜ III 172, 173
  • NRÜ KA 316,1910
  • NRÜ L 6574
  • Gespräche mit Zeitzeugen

 

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