eTeil 1: Allgemeines über Ziegel in Neustadt

Teil 2: Über die Ratsziegelei

Teil 3: Die Plaß‘ sche Ziegelei von 1870

Etwa einen Kilometer nördlich der städtischen Ziegelei auf dem anderen, linken Leineufer lag die Plaß‘ sche Ziegelei. Plaß hatte das Grundstück 1870 erworben und für den Sommer- und Handbetrieb einen Ziegelmeister eingesetzt, der auch auf dem Gelände in Leinenähe wohnte.

Plaß selber hatte sich 1885 direkt an der Empeder Straße ein Wohnhaus gebaut und übersiedelte (aus Garbsen?) nach hier. 1898 übernahm Wilhelm Plaß den väterlichen Betrieb, bestehend aus dem Ziegelofen und mehreren Trockenschuppen. Wie auch im Falle der Städtischen Ziegelei waren die Tonvorräte bald erschöpft und der Betrieb wurde 1914 eingestellt.

Noch 1890 wurde ein neuerer größerer Ziegelofen gebaut, 1908 ein neues Wohnhaus auf dem Gelände genehmigt.

 

Pläne der Plaß´schen Ziegelei (NRÜ II 1357)

Pläne der Plaß´schen Ziegelei (NRÜ II 1357)

 

Der Plan von 1894 wurde anlässlich der Anschaffung einer „Lokomobile“ gestellt.

Plan eines Lokomobils. Die industrielle Revolution hält Einzug ins Hannoversche Land.

Plan eines Lokomobils. Die industrielle Revolution hält Einzug ins Hannoversche Land.

 

Die Maschine stammte aus der „Hann. Maschinenbau Aktienges. vorm. Georg Egestorf“ also der HANOMAG . Das Baujahr 1877 lässt darauf schließen, dass die Maschine mit 17 Jahren schon gebraucht gewesen ist.

Kesselzeichnung - Der Dampfkessel

Kesselzeichnung – Der Dampfkessel

Diese Anlagen unterlagen damals der strengsten Überwachung durch den „Verein zur Überwachung der Dampfkessel“, dem heutigen TÜV.

Dem Lageplan ist aber auch zu entnehmen, dass der Ton direkt auf dem Grundstück gewonnen wurde. Die „Diele“ entsprach wohl der „Tonmühle“ der Ratsziegelei, wo der Ton zur Verarbeitung aufbereitet wurde. Die Aufgabe der zugeordneten Lokomobile, der Dampfmaschine also, ist für den Laien unklar, ob sie zur Tonaufbereitung oder zum Ziegelpressen eingesetzt wurde.

Giebelansicht eines neuen Ziegelofens, genehmigt März 1890

Giebelansicht eines neuen Ziegelofens, genehmigt März 1890

 

1897 wurde der Betrieb von der Stadt überprüft:

Betr, Wohnungsverhältnisse der Jungarbeiter

Zur Verfügung vom 31. März 1897

I 10713 und Erinnerungsverfügung

V, Juli c I 13440

Neustadt a. Rbge, den 28.Juli 1897

In unserem Stadtbezirk ist nur die eine Dampfziegelei von Wilhelm Plaß vorhanden, der Betrieb desselben bewegt sich in bescheidenen Grenzen, da nur 8-10 Jungarbeiter beschäftigt werden. Irgendwelche Beschwerden der letzteren über ihrer Wohn- und Schlafräume sind bislang nicht vorgebracht Eine Revision dieser   Räume hat ergeben, dass dieselben im Allgemeinen den gestellten Anforderungen entsprechen. Geringe Übelstände sind beseitigt, wie denn der Besitzer Plaß in seiner   Weise die Wünsche seiner Arbeiter zu erfüllen sucht.

Die Menge des benötigten Tonmaterials stieß bald an ihre Grenzen. Unter der Ackerkrume konnte nur eine etwa 1m dicke verwendungsfähige Schicht abgebaut werden. Zusätzliches Land war nicht mehr zu erwerben.

Der Betrieb wurde 1914 eingestellt, Wilhelm Plaß wandte sich künftig der Landwirtschaft zu. Auf dem Grundstück sind Hinweise auf das Werk nicht mehr zu finden.

Karte von 1898

Karte von 1898

Andere Ziegeleien

Vor Suttorf lag die Heusmann‘ sche Ziegelei, die einen ähnlichen Werdegang wie die Neustädter Werke hatte. 1908 suchte sie um eine nachträgliche Deichpolizeiliche Genehmigung nach. Ihr Problem war wohl, dass sie direkt im Überschwemmungsgebiet der Leine lag und Schwierigkeiten mit dem Hochwasserschutz hatte. Ein Trockenschuppen ist noch heute erhalten und dient u.a. als Lager und Unterstand für Schafe.

Überreste der alten historischen Ziegelei in der Leine Marsch zwischen Suttorf und Neustadt

Überreste der alten historischen Ziegelei in der Leine Marsch zwischen Suttorf und Neustadt: Der ehemalige Trockenschuppen. (Foto Dyck)

 

Innenaufnahme des Holzbaus. Der ehemalige Trockenschuppe der alten Ziegelei bei Suttorf diente dem Trocknen der Ziegel vorm Brennen.

Innenaufnahme des Holzbaus. Der ehemalige Trockenschuppe der alten Ziegelei bei Suttorf diente dem Trocknen der Ziegel vorm Brennen.

In Luthe hat der Ziegeleibesitzer Lübke um 1878 die Genehmigung für die Beschäftigung von 20 bis 30 ruthenischen Saisonarbeitern erhalten. (Ruthenen sind Ostslawen, die genauere Herkunft ist nicht mehr feststellbar). Über die Arbeiter, deren Anzahl, ob Wander-oder Saisonarbeiter, ihre Herkunft und Entlohnung usw. ist für die Neustädter Ziegeleien nicht in Erfahrung zu bringen.

1966 wurde die Ziegelei in Nöpke stillgelegt. Das Bild zeigt den Ofen des ehemaligen Werks. Foto aus: Christian Stahl; „Kali Kohle und Kanal“

1966 wurde die Ziegelei in Nöpke stillgelegt. Das Bild zeigt den Ofen des ehemaligen Werks. Foto aus: Christian Stahl; „Kali Kohle und Kanal“

Nicht vergessen werden soll die Oberheu‘ sche Handstrichziegelei in Bordenau. Seit über 140 Jahren und in der 4. Generation werden hier bis in die heutigen Tage Ziegel in speziellen Formen besonders für Restaurationen historischer Bauten gebrannt. Allerdings: Ton aus der Leinemasch wird hier schon lange nicht mehr verwendet, der wird- auch je nach gewünschter Farbgebung- von außerhalb geliefert. Umfangreichere interessante Informationen hierzu von Patrizia Chadde sind bei Google zu finden.

Abschließende Hinweise

Das in der Stadt übliche Fachwerk der Ackerbürgerhäuser wurde im 19. Jhdt. durch Klinkerbauten abgelöst. Wer was auf sich hielt, verblendete die Fachwerkfassade mit Backsteinen. 1841 wurde das „Criminal-Gefängnis“ gebaut. Die Schule, heute Pius, war 1851 ganz modern. Natürlich wurde auch der Bahnhof 1860 vollständig aus Mauerwerk gebaut Viele andere private oder öffentliche Bauten folgten und prägen bisher das Antlitz der Stadt mit. Heute ist die Kunst architektonischer Gestaltung mit Ziegeln ausgestorben.

Teil 1: Allgemeines über Ziegel in Neustadt

Teil 2: Über die Ratsziegelei

Teil 3: Die Plaß‘ sche Ziegelei von 1870

 

HD 7/15

Quellen

  • Reese, Hildegard , Neustadt am Rübenberge, Dissertation 1947
  • Klages, Eduard, Chronik der Stadt Neustadt a. Rbge., 1950
  • Winkel, Wilhelm, Geschichte der Stadt Neustadt a. Rbge , 1966
  • Rühling, Burkhard, Festung und Schloss Landestrost, Dissertation 1988
  • Barby, Dieter, Kirchenchronik
  • Regionsarchiv in Neustadt a. Rbge. , NRÜ I 223, NRÜ I 234, NRÜ I 650,
  • NRÜ I 299, NRÜ II 1347, NRÜ II 1357
  • Schröder, Auffahrt u.a. „Kali, Kohle und Kanal“ , Hrsg. Axel Priebs , 2010
  • Chadde, Patricia, (Google, Stichwort: „Ziegelei, Bordenau, Oberheu“)
  • Die Bauleute aus dem Ständebuch von Chr. Weigel 1698, Callwey 1963

 


 

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