Landläufig hat man in Himmelreich einem Durchlass unter der B6 den Namen Franzosenbrücke gegeben. Wurde die Brücke von Franzosen gebaut? Oder woher stammt dieser Name?

Schauen wir uns diese Brücke etwas näher an. Tatsächlich tragen hier die Schlusssteine die Inschrift “Königl. Wegbau”, die Jahreszahl 1779 und das Signum von König Georg III.
Franzosenbrücke in Himmelreich bei Neustadt am Rübenberge

Mythos Napoleonbrücke - Foto: Dyck

Die “Brücke” ist also lange vor der Napoleonischen Zeit im Zuge des planmäßigen Ausbaus der Kunststrasse zwischen Neustadt und Nienburg entstanden, also der heutigen B6, die in Ersatz für die umwegige Strecke durch die Dörfer Eilvese usw. Sie würde nicht von oder für Napoleons Truppen gebaut.

Woher kommt aber dann die Namensgebung? Zu diesem Thema sind wir in Das Buch aus dem Neustädter Land von Armin Mandel (1984) fündig geworden. Hier lesen wir einen Geschichte, die angeblich mündlich überliefert wurde. Sie trägt den dramatischen Titel “Toter unter der Empeder Franzosenbrücke” (S.56). Ein Schäfer, der in der Nähe eben dieser Brücke seine Schafe weidet, sieht zwei aus der Richtung Neustadt zu Fuß flüchtende Personen auf sich zu rennen. Es sind ihm bekannte Schweinehändler. Sie rufen aufgeregt: “De wöllt uns das Swienegeld klauen!” Sie bitten den Schäfer, sie zu verstecken, da sie von einem Franzosen verfolgt werden, der ihre Einnahmen zu plündern beabsichtigt. Der Schäfer versteckt die beiden Personen in einem Bruch, als auch schon ein Franzose auf einem Pferd angeritten kommt, und sich in gebrochenem Deutsch nach dem Verbleib der Schweinehändler erkundigt. Der Schäfer nutzt einen Moment der Unaufmerksamkeit des Franzosen aus und erschlägt ihn mit einem Knüppel. Er versteckt den Leichnahm anschließen in einem Gebüsch in unmittelbarer Nähe der Brücke. Diese hieß von da an im Volksmund Franzosenbrücke.

Diese Geschichte hat sich in der so genannten Franzosenzeit, also nach dem Jahre 1803 zugetragen, als auch das Neustädter Land von Napoleons Truppen besetzt war. [HD, Januar 2008]