Kohleflöze und Kohleabbau in Neustadt
Kohleflöze in Neustadt? Kann es auf dem “platten Land” , in Neustadt am Rübenberge, Kohleflöze geben? Ja, es ist durchaus möglich , dass man auch heute noch auf Köhleflöze stoßen könnte und tatsächlich hat man in Neustadt Kohle gefunden und auch abgebaut.
Wie ist das möglich? Der natürliche Felsgrund, welcher auch der Leineschifffahrt den Weg versperrt, auf welchem auch das Schloss thront und welcher auch in der Umgebung die geologische Basis bildet, besteht aus “Wealderton” oder “Deistersandstein” (Wealden). In diesem Gestein sind oft Kohleflöze eingelagert -im Deister keine Seltenheit.(Q.: Winkel)
Winkel schreibt ( S. 32): Von 1860 - 72 wurden im Neustädter Deistersandstein Kohlen gewonnen. 1860 erhielt der Hüttendirektor (der Eisenhütte ) die Genehmigung zum Abbau von den dünnschichtigen Flözen. Drei Schächte wurden abgeteuft: “Friederike”, “Anna” und “Minna”. Die geringe Mächtigkeit der Flöze und schlechte Wasserverhältnisse brachten das Unternehmen 1872 zum Erliegen. Immerhin war zeitweise so viel Kohle gefördert, dass nicht nur die Maschinen des Werkes (also der Eisenhütte) damit betrieben werden konnten, sondern auch Kohlen nach außerhalb verfrachtet werden.
Ergänzend dazu hat Barby ermittelt: Der Vater des Gründers der Neustädter Hütte, Carl Eduard Nehse, schloss am 29.6.1867 einen Abbauvertrag mit dem Bevollmächtigten der Grundeigentümer Duensing, Bergmann und Kahle. Am 14.2. 1868 erhielt Nehse außerdem die Genehmigung des Neustädter Magistrats zum Abbau auf Grundstücken der Neustädter Kirchen- und Schulverwaltung. Im Herbst 1869 setzten anhaltendes Regenwetter und Hochwasser der Leine die Gruben unter Wasser, die Sümpfung gelingt erst nach Wochen. Frühjahr 1870 beginnt die Arbeit am Versuchsschacht Anna. Der 200 m entfernte Schacht Minna wurde wegen schlechter Kohlenqualität aufgegeben. Am 1. 11. 1872 wurden alle Arbeiten eingestellt. Zwar erfolgte im Februar 1878 noch ein Bohrversuch, der in 28 m Tiefe ein Flöz von 43 cm antrifft, aber eine Betriebsaufnahme gibt es nicht. Während des I. Weltkrieges wegen Kohlenmangels gibt es eine Förderung die Produktion, wird aber 1921 eingestellt. Die Halden der Schächte in Suttorf sollen noch bis etwa 1970 zu sehen gewesen sein und wurden dann eingeebnet.
Die 3 Schächte mit den Namen “Anna”, “Minna” und “Friederike” lagen auf der östlichen Leineseite, etwa auf dem Gelände der sogenannten “Kali- Chemie”. Ihre Lage ist örtlich nicht mehr nachzuvollziehen. Aber es hat dort vor einigen Jahren während Straßenbauarbeiten einen Erdbruch gegeben, der auf einen der Schächte schließen ließ. Wie ein leitender Mitarbeiter, Rüdiger Marwede, berichtet, hat er den dabei aufgefundenen Mauerwerk-Schacht so gut es ging freilegen lassen und in etwa 2m- Tiefenabständen Taschen im Mauerwerk gefunden, in denen mit Holzbalken vermutlich Etagen angelegt werden konnten. Der Schacht hatte einen lichte Weite von etwa 4,35 x 2,35 m, das Mauerwerk ist etwa 50 cm dick. Das Loch musste aber wieder vollständig verfüllt werden.

Kohleschacht in Neustadt auf dem Gelände der ehemaligen Kali Chemie, heute Solvay Foto: R. Marwede
Kohleförderung hat sich in Neustadt also nie durchsetzen können.
[CD, HD, Juli 2006]