Der Telefunkenturm in Eilvese 1913 bis 1931: Einst das höchste Bauwerk Deutschlands
Am 20.Juli 1913 stattete Kaiser Wilhelm II der Ackerbürgerstadt Neustadt am Rübenberge einen Besuch ab. Bei Klages lesen wir: “Zum Kaisertag, dem 20.Juli 1913, hatte die ganze Stadt Sonntagskleider angelegt. Wilhelm II. hatte seinen Wagen verlassen und die Honoratioren der Stadt und die Ehrenjungfrauen vor dem Rathaus begrüßt”. Anschließend begab er sich ins Neustädter Moor bei Eilvese im Neustädter Land. Auf der ebenen Fläche am Rand des Hochmoores stand seid kurzem der sogenannten Telefunkenturm, Funkenturm im landläufigen Sprachgebrauch.
Dies war ein 258 Meter hoher Sendemasten, mit Stahlseilen abgespannt und umgeben von sechs weiteren, kleinen Masten und damit damals tatsächlich das höchste Bauwerk Deutschlands.
Es folgte die Einweihung und Besichtung der Anlage durch den Kaiser.
Elektromotoren betrieben die Goldschmidt´sche Hochfrequenzmaschine; über den hohen Sendemasten war man damit in der Lage eine Funkbrücke, bis in die USA reichend, aufzubauen. (Rudolf Goldschmidt, 1876-1950 Ingenieur, Erfinder, Bekannter Albert Einsteins). Damit stand nicht nur das höchste Bauwerk im Neustädter Land, sondern auch die erste und einzige Funkanlange der Zeit, die über so weite Strecken senden konnte.
Die Neustädter Zeitung berichtete, dass am 19.Juni 1914 die erste transatlantische Funkbrücke errichtet wurde und ein Telegramm Kaiser Wilhelm II. an den damaligen amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson nach Tuckerton / USA gesendet wurde. Hochtechnologie “Made in Neustadt.”
Am 7. August 1931 hatte die Anlage ausgedient. Nicht nur seine Errichtung und sein Betrieb war eine Sensation, sondern auch seine Sprengung. Zahlreiche Postkarten seines Falls sind erhalten geblieben.
Wer heute in dieser Gegend durch das Moor spaziert, wundert sich vielleicht über die riesigen Betonblöcke, die mittlerweile hoch aus den abgetorften Flächen herausragen. Hierbei handelt es sich um die ehemaligen Fundamente, an denen die Abspannseile befestigt waren, die den Turm im Lot hielten.
Auf dem folgenden Bild ist der Fuß des Sendemasten zu sehen. Man erkennt eine halbrunde Aushöhlung ganz am Ende des Mastens. An dieser Stelle soll der schwere Turm, einer mündlichen Überlieferung zu Folge, auf einer riesigen Glaskugel gestanden haben, die ihn zum Boden hin isolierte. Gläserne Isolierteile unterschiedlicher Größe und Form liegen noch heute verstreut auf dem ehemaligen Arsenal des Funkenturms im Boden.(CD,02.208)
Adresse:
Aschenkrug, 31535 Neustadt am Rübenberge, Niedersachsen





