Bauhaus Architektur Kunst in Neustadt am Rübenberge

Das staatliche Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet, es bestand von 1919 bis 1933 und gilt heute weltweit als Heimstätte der „Klassischen Moderne“. Dem Architekturstil sind die Begriffe „Funktionalismus, Klassische Moderne, Neue Sachlichkeit“ u.a. zuzuordnen. In der öffentlichen Meinung galten diese Bauten z. Z. als „karg und maschinell“.

Nach den mittelalterlichen Fachwerkhäusern entstanden auch in Neustadts historischer Innenstadt ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts die ersten massiven Backsteinbauten, hier zumeist Geschäftshäuser. Um die Jahrhundertwende wurden in den vor den Toren der Stadt liegenden Gärten der bürgerlichen Familien die ersten grossen Villen erstellt. Diese waren mit verschiedensten Stilelementen ausgestattet, ob Rundbogenstil, Neoklassizismus, bis hin zu Jugendstilelementen. Alle Häuser waren „gefällig“ und waren auf irgendeine Weise mit „Zierrat“ versehen.
1929 entschloss sich der Rechtsanwalt Lampert dagegen, ein Wohnhaus in dem neuen, gerade erst aufgekommenen Architekturstil zu bauen, dem Bauhausstil. Er brach mit herkömmlichen architektonischen Traditionen. Wegen seiner Beschränkung auf das Funktionale und weil es schlicht hell verputzt war, war es sehr ungewöhnlich für Neustadts Bauwelt.

Postkarte etwa 1930 von H. Köster: Gartenseite des modernen Bauhaus-Stil Gebäudes

Postkarte etwa 1930 von H. Köster: Gartenseite des modernen Bauhaus-Stil Gebäudes

Das Wohnhaus für Herrn Rechtsanwalt Lampert lag an der Lindenstrasse, etwa im heutigen Bereich der Einfahrt zum Kreissparkassen- Parkplatz von der Herzog- Erich- Allee aus. Ein Teil der noch vorhandenen Grünanlage gehörte zum Lampertschen Garten.

Neustadt am Rübenberge: Lageplan des Gropius-Hauses von 1951 und  (ca.) 2000

Neustadt am Rübenberge: Lageplan des Gropius-Hauses von 1951 und (ca.) 2000

Die Entwurfsunterlagen weisen 2 verschiedene Architekten aus: H. Wacker , Architekt, kam aus Hannover. Über sein Wirken ist nichts ausfindig zu machen. Ein weiterer Architekturstempel zeichnet „Anders Thomsen Rasch, Architekt D.W.B. Hannover, Ifflandstrasse 4″. Im historischem Architekturregister ist „Rasch Thomsen (?), (Innenarchitekt) D.B.W., Hannover 1929″ verzeichnet. Denkbar ist, dass hier Architekt und Innenarchitekt zusammengewirkt haben.

Die Grundfläche des Hauses betrug etwa 160 qm. Im Erdgeschoss lag das grosse Wohnzimmer von ca 35 qm, ausgestattet mit einem modernen Kamin. Es gab ein Herrenzimmer, einen Wintergarten, zwischen Esszimmer und Küche eine „Anrichte“. Windfang und Diele waren so angeordnet, dass die hausinterne Treppe zum Obergeschoss für Fremde nicht zugänglich war. Dem Esszimmer und Wintergarten war eine grosszügige Terrasse vorgelagert.

Bauhaus Architektur: Grundriss des Erdgeschosses

Bauhaus Architektur: Grundriss des Erdgeschosses

Das Obergeschoss wies reichlich Platz für Schlafräume, Kinder- und Fremdenzimmer auf, Bad und Ankleide bildeten eine grosszügige Einheit.

Grundriss des Obergeschosses der Villa Lampert

Grundriss des Obergeschosses der Villa Lampert

Darüber lag noch ein Mansardgeschoss, das immerhin mehreren Hausangestellten Unterkunft bot. Die relativ kleinen Fenster unter dem Dach waren der Architektur geschuldet.

Eine grossräumige Garagenhalle und die Heizung waren im Keller untergebracht, man erreichte sie von dem Weg auf der Nordseite des Grundstücks, der das Scheunenviertel erschloss.

Das Dach war flach geneigt. So wurde das Regenwasser, besser als bei einem reinem Flachdach, problemlos abgeleitet. Das Dach war von unten nicht sichtbar und der Eindruck eines kubisch gehaltenen Baukörpers von aussen blieb erhalten.

Ansicht des Bauhaus Gebäudes "Villa Lampert"

Ansicht des Bauhaus Gebäudes „Villa Lampert“

Die Bauausführung lag beim noch heute bestehenden Baugeschäft Sievers. Dort sind weitere Unterlagen und Pläne zum Haus Lampert leider nicht mehr auffindbar.

Rohbau des Bauhaus-Stil Gebäudes

Rohbau des Bauhaus-Stil Gebäudes 1929/30

 

 

Richtfest der Bauhaus-Stil Villa Lampert

Richtfest der Bauhaus-Stil Villa Lampert

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus, wie viele andere schöne Villen in Neustadt auch, von der englischen Besatzung beschlagnahmt und beherbergte einige Jahre lang verschiedene britische Institutionen.

Nach dem Auszug der Engländer wurde das Haus verkauft und Neustadts Polizeistation hier untergebracht.

Villa Lampert als Polizeistation

Villa Lampert als Polizeistation

Am 15.1.1975 berichtet die Leinezeitung ahnungsvoll: „Bereits jetzt ist sicher, dass das Polizeirevier der neuen „Südtangente“ weichen muss.“ So war der Villa war nur eine kurze Lebenszeit beschieden: für den Bau der Herzog- Erich- Allee und der Umgestaltung der Kreuzung mit der Lindenstraße und der Schäfergasse  wurde sie abgebrochen. Ein Teil des Gartens mit den hohen Bäumen ist noch erhalten und erinnert noch daran.

Der Villa war nur eine kurze Lebenszeit von ca 30 Jahren beschieden: für den Bau der Herzog- Erich- Allee und der Umgestaltung der Kreuzung mit der Lindenstrasse und der Schäfergasse wurde es abgebrochen. Ein Teil des Gartens mit den hohen Bäumen ist noch erhalten und erinnert noch daran.

Ehemaliger Standort der Bauhaus Villa in Neustadt am Rübenberge

Ehemaliger Standort der Bauhaus Villa in Neustadt am Rübenberge: Herzog- Erich- Allee, Zufahrt zum Sparkassen-Parkplatz

Die Stadt Neustadt war um ein besonderes Baudenkmal ärmer.

(Die nicht gekennzeichneten Fotos und Pläne hat freundlicherweise die Familie Lampert zur Verfügung gestellt. )

[HD 2 / 2010]


 

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