Der Heini- Nülle- Platz: Eingang zur Fußgängerzone, ausgestattet mit Springbrunnen und kunstvollem Granitpflaster, Übergang zum Bahnhof, pulsierende Menschenmenge, vorbeirauschender Autoverkehr: so kennen wir heute einen der schon immer wichtigsten Verkehrsplätze von Neustadt.

Heinrich Nülle Platz

Heinrich Nülle Platz

Hier teilten sich schon im Mittelalter die Wege aus der Stadt von der Marktstrasse aus dem Lauentor nach Süden Richtung Wunstorf, nach Norden Richtung Nienburg, nach Westen in die Feldmark. Am deutlichsten geht dies aus der historischen Stadtkarte von Fesca aus dem Jahre 1757 hervor. Gut erkennbar ist hier der Versatz in der Wegeführung von Süd nach Nord.

Stadtplan von Neustadt am Rübenberge von Fescas, 1757

Stadtplan von Neustadt am Rübenberge von Fescas, 1757

Die Kreuzung war bis in die 80er Jahre des vorigen Jh. noch als „Nüllen Ecke” bekannt, der Name bezog sich auf Nülles Hotel an der Wunstorfer Strasse. Sie war ein wichtiger Verkehrsknoten und jedem Bewohner der Stadt geläufig. Hier begegneten sich in grauer Vorzeit wichtige Heer- und Handelsstrassen, die spätere B6 und B 442. Postkutschen machten am „Posthof” halt oder rasteten am Rosenkrug, Dammkrug und dem Moorkrug. Dort wurden auch die Kutschpferde gewechselt, gevespert und übernachtet.

Ebenso war dieser Platz ein Treffpunkt für junge Leute. Vor allem war er fahrtechnisch schwierig, weil die Strassen leicht versetzt aufeinandertrafen. Die alten Fuhrwerke, z. B. Langholzfuhren, hatten ihre liebe Mühe, diese S-Kurven elegant zu durchfahren, da konnte es schon mal passieren, dass Hausecken oder auch ein Schaufenster im Eingangsbereich der Firma Wage in Mitleidenschaft geriet. Mit zunehmendem Kraftfahrzeugverkehr in den 50er und 60ger Jahren des vorigen Jh. wurde eine Verkehrslenkung durch die Polizei erforderlich. Erst als 1962 der erste Abschnitt der B6 als Umgehungsstrasse freigegeben wurde, besserten sich die Verkehrsverhältnisse vorübergehend.

Um 1980 wurde durch die neu angelegte Herzog- Erich- Allee und die dritte Leinebrücke die Möglichkeit geschaffen, aus dem alten Abschnitt der B6 durch Neustadts Marktstrasse eine Fußgängerzone zu gestalten.

Um am Zusammentreffen der drei Strassen,- Wunstorfer Strasse, Nienburger Strasse und Landwehr- die Fußgängerzone Marktstrasse vor Verkehrslärm und Einblicken zu schützen, wurde 1981 ein Bollwerk aus grossen Findlingen gestaltet. Dieses Bollwerk war auch als Abgrenzung gedacht und sollte ein Sichtschutz hinsichtlich des fliessenden Verkehrs sein. Die Steine umfassten ein etwa 45 bis 75 cm hohes Podest mit Ruhebänken. Dieser Platz wurde von Kindern gern zum Spielen genutzt und diente als Treffpunkt, später auch von der benachbarten Gastronomie als sommerlicher Freisitz. Andersartige Vorschläge von Anliegern wurden vom zuständigen Stadtausschuss nicht akzeptiert. Man nannte diese Neuanlage nun „Drei Linden”, da parallel zur Strasse drei kleine Lindenbäume gepflanzt wurden,
Da das Bollwerk einen wuchtigen und abweisenden Eindruck vermittelte, wurde 2007 der Eingangsbereich in die Geschäftszone von Neustädter Geschäftsleuten des „Stadtmarketings”so umgebaut, wie wir ihn heute erleben können. Und so wurde ein offener, freundlicher Platz mit Springbrunnen und Ruhebänken geschaffen. Nach einer Umfrage erhielt der Platz den Namen „Heini- Nülle- Platz”.

Noch im Stadtplan von ca 1961 ist im Strassenverlauf zwischen der Wunstorfer Strasse und Nienburger Strasse ein Versatz erkennbar.

Stadtplan von 1970

Stadtplan von 1970

Stadtplan herausgegeben von „Gruppe Neustadt des Heimatbundes Niedersachsen”, o. D., ca 1970

Erst ein Durchbruch zwischen dem Gebäudekomplex von ehemals Fordhändler und Reparaturwerkstatt A:W:Lange in den 70′er Jahren ermöglichte die geradlinige Linienführung von Wunstorfer und Nienburger Strasse. Etwas später wurde die Eisenbahnschranke der Landwehr durch die Unterführung ersetzt.

Wo jetzt die Volksbank steht, befand sich früher das Hotel Nülle, daher war der volkstümlich bekannte Name dieses Bereichs „Nüllen Ecke”. Der Besitzer, Hotelier „Heini” Nülle ist den alten Neustädtern noch als liebenswertes Original in Erinnerung. Er wurde erst in jüngster Zeit mit der Benennung des Eingangsbereich zur Fußgängerzone als „Heini- Nülle- Platz” geehrt. „Nülles Hotel” bestach dadurch, dass es noch bis zu seinem Abbruch 1970 im Stil der Jahrhundertwende betrieben wurde.
Lange Zeit blieb es behaglich in der Stadt, folgende Bilder belegen dies:

Alte Ansichten aus Neustadt am Rübenberge

Foto: Aus Neustadt am Rübenberge in alten Ansichten, herausgegeben 1996 vom Philetalisten- Club Neustadt a. Rbge e.V.

Alte Postkarte mit Blick in die Marktstrasse

Postkartenmotiv, Blick von der Landwehr in die Marktstrassemit Blick auf Kaufhaus Wage (links) und Hotel Nülle (rechts)

Marktstrasse und Landwehr

Marktstrasse in Gegenrichtung mit Blick auf die Landwehr betrachtet: Standort etwa in Höhe Kaufhaus Hibbe , hinten links: Hotel Nülle, hinten rechts Kaufhaus Wage

Nuelles Ecke

Foto: Aus Neustadt am Rübenberge in alten Ansichten, herausgegeben 1996 vom Philetalisten- Club Neustadt a. Rbge e.V.

Alte Postkarte Nuelles Eck

Alte Postkarte aus Privatbesitz: Das Hotel verfügt bereits über eine Veranda

Nülles Hotel war ein gern gesehenes Postkartenmotiv. Heute steht an seiner Stelle die Volksbank. Leider haben es die Stadtplaner der damaligen Zeit versäumt, zwar dem motorisiertem Verkehr, nicht aber den Fußgängern und Radfahrern ausreichend Raum einzuräumen.

Das 1898 erbaute Kaufhaus Wage wurde in Neustadt das größte seiner Art.

Waage an Nuellen Eck

Foto: Aus „Neustadt am Rübenberge in alten Ansichten", herausgegeben 1996 vom Philetalisten- Club Neustadt a. Rbge e.V.

Man hat sich seiner Modernisierung bis heute nicht verschlossen, es hat dabei den Stil seiner Zeit in gekonnter Weise bewahrt.

Kaufhaus Wage heute

Kaufhaus Wage heute

Bis zum Anfang des 20sten Jhdts spielte Autoverkehr in Neustadt noch keine Rolle. Das erste Automobil wurde 1895 gesichtet. Das erste nennenswerte Verkehrsunglück geschah 1905 zwischen der Eisenbahn und einer Kutsche. Entsprechend sahen die Strassen aus.

Nienburger Strasse damals

Nienburger Strasse damals: Blick von der Schranke Richtung Stadt

Nienburger Strasse heute

Die selber Ansicht: Nienburger Strasse heute

Der zunehmende Autoverkehr liess die Einrichtung einer Tankstelle zu. So etablierte Paul Quitmeyer an der damaligen Nienburger Strasse 4, an der Ecke zum Rundeel, eine Leuna- Tankstelle.

Tankstelle Quitmeyer

Foto aus Privatbesitz: Tankstelle Quitmeyer

 

Anzeige Paul Quitmeyer

Anzeige Paul Quitmeyer

 

Im Jahre 1946 wurde die Stadt von einem Leine- Hochwasser betroffen. Was heute kaum vorstellbar ist: es reicht bis zum Rundeel!

Hochwasser in der Innenstadt von Neustadt am Rübenberge

Hochwasser in der Innenstadt von Neustadt am Rübenberge - Foto: PrivatbesitzLinks die Leuna-Tankstelle, geradeaus das Anwesen Firma Hanebuth, rechts Haus Rundell Nr 4

 

Blick in den Rundeel

Rundeel heute als Fußgängerzone,rechts Kaufhaus Wage

 

Springbrunnen - Neustädter Wasserkunst

Springbrunnen - Neustädter Wasserkunst

 

Früher ein Sorgenkind der Stadt: heute der Einstieg in eine Fußgängerzone; Marktstrasse und Rundeel laden zum Einkauf ein, der Springbrunnen verleitet zum Verweilen und um die Ecke kann man in Ruhe Gastronomie und Eisdiele geniessen. (AD , HD 10/09)