Karl Grabenhorst, geboren 1896 in Neustadt a. Rbge, gestorben 1983 in Göttingen. Er war der zweite von drei Söhnen des hochangesehenen Neustädter Schornsteinfegermeisters. Der ältere Bruder Georg Grabenhorst machte sich einen Namen als Verfasser heimatbezogener Bücher, und ist im Neustädter Gedächtnis daher mehr präsent.(näheres s. ruebenberge .de Prominente) Karl besuchte wie auch sein Bruder die Humboldtschule in Hannover, die er 1915 mit dem Abitur abschloss. Diese Schulbesuche waren für Neustädter Jugendliche durchaus nicht üblich und erschwinglich. Bis 1919 nahm er anschließend am Ersten Weltkrieg teil. Danach studierte er Architektur und war zuletzt Stadtbaudirektor in Göttingen. Er war verheiratet mit Hanna Kollmeyer, der Tochter einer erfolgreichen Neustädter Geschäftsfamilie.

Eheschließung von Hanna und Karl Grabenhorst, 1925 (Leine-Zeitung)

Eheschließung von Hanna und Karl Grabenhorst, 1925 (Leine-Zeitung)

 

Eheschließung von Hanna und Karl Grabenhorst, 1925 (Leine-Zeitung)

Eheschließung von Hanna und Karl Grabenhorst, 1925 (Leine-Zeitung)

Wie sein Bruder Georg pflegte er ein besonderes Verhältnis zu seiner Heimatstadt. Karl Grabenhorst wird wohl als etwa 27-jähriger noch vor seiner mit Auszeichnung abgelegten Staatsprüfung zum Regierungsbaumeister in den Jahren 1923 / 24 mit einem Stativ und Fotoapparat in Neustadt auf Motivsuche gewesen sein. Dabei entstanden wohl um 70 oder mehr Glas- Negative. Anfang März 1924 machte er sich erstmalig einen Namen mit einem Lichtbildervortrag.

Grabenhorst - Architektur und freie Kunst um 1800

Lichtbildvortrag: Grabenhorst – Architektur und freie Kunst um 1800

Als im Oktober 1924 die Kollegien der Stadt das Thema „Erlass eines Ortsstatuts zur Verhütung der Verunzierung der Straßen und des Stadtbildes“ behandelten, wurde, wohl beratend, der „Sachverständige ,Regierungsbauführer Grabenhorst“ hinzugezogen. Dieser erläuterte die Notwendigkeit und den Zweck des Ortsstatuts. Teile der Bürgervorsteher konnten sich nicht damit anfreunden und sahen den inneren Wert der altertümlichen Gebäude in Neustadt für gleich Null und durchaus nicht erhaltenswert an. Da man sich über das weitere Vorgehen nicht einigen konnte , wurde ein Antrag angenommen, nach dem in einer allgemeinen Bürgerversammlung durch einen Lichtbildervortrag die Sache weiter aufgeklärt und der Einwohnerschaft verständlich gemacht werden soll. Karl Grabenhorst setzte sich hier wohl engagiert für den Erhalt des historischen Stadtbildes ein.(Leine-Zeitung 27.10.1924)

 

Neustadt am Rübenberge. Das Bild unserer Stadt als Zeuge seiner geschichtlichen Entwicklung.

Neustadt am Rübenberge. Das Bild unserer Stadt als Zeuge seiner geschichtlichen Entwicklung.

 

Der in den Kollegien der Stadt angekündigte Lichtbildervortrag war wohl auch der 1. Vortrag von Karl Grabenhorst in der heimatbezogenen Reihe „Unsere Heimat“ mit dem „Bild unserer Stadt als der nächsten Heimat“. Es folgte ein zweiter, der wohl in die Umgebung hinausging und in den Bildern von Dorf und Bauernhaus einen weiteren Wesenszug heimatlicher Eigenart vermitteln sollte, Der Autor dieses Beitrags wird jedoch nicht genannt, Den dritten Vortrag dieser Reihe hielt Bruder Georg Grabenhorst über “Das deutsche Volkslied, seine historische Entwicklung und sein Wesen“. Eine weitere Darbietung in dieser Heimat- Reihe hielt Regierungsbaumeister Ewald aus Berlin über „Die niederdeutsche Stadt, als Ausdruck niederdeutscher Stammesart“. Den 5. Vortrag widmet Georg Grabenhorst dem Thema „Niederdeutsches Leben in der Dichtung mit Bezug auf Storm, Liliencron , Löns ,Frenssen“. Diese Folgen fanden ihren Abschluss in dem 6. Vortrag mit Lichtbildern „Heimat und Welt“ von Reg- Bauführer Grabenhorst .

Grabenhorst-Vortragsreihe

Grabenhorst-Vortragsreihe. Leinezeitung vom 26.11.1924

 

Grabenhorst-Vortragsreihe

Grabenhorst-Vortragsreihe. Leinezeitung aus dem Dezember 1024

Den Abschluss bildeten diese Vorträge der Geschwister Grabenhorst:

Vortrag: Niederdeutsches Leben in der Dichtung.

Vortrag: Niederdeutsches Leben in der Dichtung.

 

Vortrag: Heimat und Welt

Vortrag: Heimat und Welt

Diese für diese besondere Lichtbildserie verwendeten Bilder sind aus den Jahren vor 1924 und fast vollständig als Glasnegative erhalten. Besonders mit den Gebäuden, Straßenbildern und Stadtansichten zeigen sie das Bild einer typischen Ackerbürgerstadt . Die weidende Ziege im Schlosshof, das Schwein vor dem früheren Bielert‘schen Laden oder das Pferd an der alten Wache sprachen auch für seinem besonderen Humor.

Die Alte Wache in Neustadt am Rübenberge - mit Pferden

Die Alte Wache in Neustadt am Rübenberge – mit Pferden

Ziege vor Bielerts Laden

Ziege vor Bielerts Laden

Ziege im Schlosshof

Ziege im Schlosshof

Die Bilder gelangten nach dem Tod von Karl Grabenhorsts Tochter, Frau Buriks zunächst an die Leibnitz- Universtät Hannover. Den Autoren des Fotobuches von 2014 „ Neustadt am Rübenberge, Geschichte in Fotografien“ und für den Jahreskalender 2015 des Neustädter Museums standen sie kurzfristig zur Auswertung zur Verfügung. Später wurde eine weitere Charge von etwa 30 Bildern aufgefunden. Frau Inge Kuhnow, geborene Kollmeyer, eine Nichte von Karl Grabenhorst, stellte sie zur Verfügung. Im Archiv der Region Hannover wurden sie bearbeitet und sollen dort dauerhaft deponiert werden.

Karl Grabenhorst blieb seiner Heimatstadt auch auf andere Weise verbunden. Das nach dem 1.Weltkrieg entstandene Denkmal zu Ehren der gefallenen Neustädter Soldaten an der Suttorfer Straße entstand nach dem Entwurf des Regierungsbaumeisters Grabenhorst , der damals in Erfurt tätig war. Es wurde am 17. Mai 1925 eingeweiht.

Zeichnung von Grabenhorst

Zeichnung von Grabenhorst

Dieses von ihm gezeichnete Bild des Kriegerdenkmals hat Karl Grabenhorst fotografiert und ist Teil seiner großen Glas – Negativ-Sammlung.
Die Leine-Zeitung vom 20. April 1925 würdigt seine Mitwirkung mit folgenden Worten:
Großen Dank schulden wir auch Herrn Architekt Regierungsbaumeister Grabenhorst. Er, der sein Können und seine Arbeitskraft zur Verfügung stellte, ohne klingenden Sold zu fordern, wird den Lohn in dem Bewusstsein finden, für die gefallenen Söhne seiner Heimatstadt ein Denkmal in würdiger Form zu ersinnen und auszuführen

Auch zur Neugestaltung des Kriegerdenkmals zu Ehren der im 2. Weltkrieg Gefallenen holte man 1954 den Rat von Stadtbaudirektor in Göttingen Karl Grabenhorst ein. (LZ 18. 10. 1954)

 

Das Ehepaar Grabenhorst

Das Ehepaar Grabenhorst

Ehepaar Grabenhorts anlässlich seien privaten Feier in den 1960er Jahren
Über das weitere Wirken geben Wikipedia und das Stadtarchiv Göttingen Auskunft. Von 1946 bis 1963 war Grabenhorst Stadtbaudirektor in Göttingen. Er ist am 24.Juli 1983 gestorben. Seine Grabstelle befindet sich auf dem dortigen Stadtfriedhof .

Hartmut Dyck, August 2021

Quellen:

  • Frau Inge Kuhnow
  • Leinezeitung ca. 1924
  • Wikipedia
  • ruebenberge.de: Kunst Kultur Soziales, Wie erinnern sich Prominente an Neustadt am Rübenberge
  • Krieger und Ehrendenkmale : Das Kriegerdenkmal 1914 – 1918